Unzustellbare Briefe
Die 18 "unzustellbaren Briefe" adressiert die inzwischen 75-jährige Autorin an Menschen, die für sie und ihr Leben von besonderer Bedeutung sind, und beginnt dabei in der Kindheit: Die ersten beiden der mehr oder weniger kurzen Texte sind mit Großmutter
und Cousine an Familienmitglieder gerichtet, es folgt die erste Liebe, dann Freundinnen und Freunde aus Studientagen und schließlich berufliche Kontakte, etwa zu ihrem langjährigen Lektor oder der Agentin Ruth Liepman. Dabei sind die Briefe nicht selten Abrechnungen mit aus unterschiedlichen Gründen gescheiterten Freundschaften, und man gewinnt den Eindruck, dass es mehr diejenigen Menschen sind, denen Mitgutsch nicht eigens schreibt - etwa der geschiedene Ehemann und der Sohn, die in (fast) allen Texten eine tragende Rolle spielen -, die zu den eigentlich gelungenen Beziehungen zählen. – Die "Unzustellbare[n] Briefe" werden alle diejenigen gerne lesen, die mehr über Mitgutschs Lebensgeschichte erfahren möchten, die im bäuerlichen Milieu Nachkriegs-Österreichs ihren Anfang nimmt, ein akademisches Leben in den USA umfasst, das immer wieder durch Europa-Aufenthalte unterbrochen wird, und sich schon früh durch die Hinwendung zum Judentum auszeichnet.
Antonie Magen
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Unzustellbare Briefe
Anna Mitgutsch
Luchterhand (2024)
314 Seiten
fest geb.