Burma Sahib
Der junge, etwas orientierungslose Eton-Absolvent Eric Blair verdingt sich – mangels besserer Alternativen – 1922 als Kolonialpolizist in Britisch-Burma und folgt damit dem Vorbild seines Vaters, der in Bengalen Kolonialbeamter war. Eric Blair
ist ein literarisch interessierter Feingeist und im gesellschaftlichen Umgang eher unbeholfen. Er durchläuft im Rahmen der Ausbildung mehrere Posten an wechselnden Orten und hat dort diverse Affären. Er gerät dabei immer mehr in innere Widersprüche, weil ihn das rassistische Herrenmenschentum der Kolonialmacht eigentlich abstößt. Am Ende quittiert er den Dienst und reist nach fünf Jahren desillusioniert zurück nach England. Eric Blair ist heute weltbekannt unter seinem Pseudonym George Orwell als Verfasser des dystopischen Romans "1984". Paul Theroux porträtiert aus der Position des allwissenden Erzählers heraus romanhaft den unsicheren jungen Mann, bevor er den Weg zum Journalisten und Schriftsteller einschlug. Die Schilderungen von exotischen Landschaften und der längst versunkenen kolonialen Welt haben erheblichen Anteil am Lesevergnügen. Für größere Bestände und literarisch interessierte Leser empfohlen.
Marion Sedelmayer
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Burma Sahib
Paul Theroux ; aus dem amerikanischen Englisch von Cornelius Reiber
Luchterhand (2025)
586 Seiten : Karte
fest geb.