Scheißkerle
Andrev ist sieben Jahre alt, als er erfährt, dass der Mann, den er bisher für seinen Vater gehalten hat, nicht sein leiblicher Vater ist. Da die Mutter von langen Haaren spricht, stellt er sich seinen Vater als „Indianer“ vor. Von 1983 bis 1990
wird er zusammen mit sieben unterschiedlichen „Vätern“ leben und sich permanent nach seinem Vater sehnen. Seine Mutter, die keinen Schulabschluss hat, putzen geht oder im Schnellimbiss arbeitet, sucht sich immer die falschen Männer aus. „Scheißkerle“ nennt sie sie, wenn es mal wieder zur Katastrophe kommt. Fast alle diese Männer sind gewalttätig, manche nehmen Drogen. – Der Journalist Walden erzählt in seinem Debütroman eine Coming-of-Age-Geschichte mit autofiktionalen Zügen. Jedem der Männer ist ein eigenes Kapitel gewidmet: Der „Pflanzenmagier“, ein Althippie, der gegen jedes Establishment rebelliert, der „Dieb“, der seine Spritzen in die Küchenschublade legt, oder der „Mörder“, der das Aquarium, das er Andrev geschenkt hat, voller Wut aus dem Fenster wirft. Andrev lernt, sich vor dem nächsten Gewaltausbruch zu ducken, und wartet auf das Verschwinden des aktuellen „Vaters“. Sobald die Mutter es nicht mehr aushält, zieht die Familie weiter. Der Roman blättert durch ein Familienalbum toxischer Männlichkeit. Doch es wird auch deutlich, dass diese Männer nie gelernt haben, über Gefühle zu sprechen. Andrev fürchtet sich davor, ein solcher Mann zu werden. – Ein Roman über Vater- und Mutterbilder, der oft schmunzeln lässt. Gerne empfohlen!
Susanne Emschermann
rezensiert für den Borromäusverein.
Scheißkerle
Andrev Walden ; aus dem Schwedischen von Justus Carl
Luchterhand (2025)
409 Seiten
fest geb.