Verlorener Kontinent
Obwohl 1930 in Berlin geboren und mit seinem literarischen Werk eng der jüngeren deutschen Literaturgeschichte verbunden, gab es von dem heute in Israel lebenden Autor bislang noch keine Veröffentlichung in deutscher Sprache. In diesem Band werden
Gedichte aus mehr als einem halben Jahrhundert vorgestellt. Aus dem Jahr 1966 stammt ein kurzes Gedicht, in dem der Autor versucht, sich selbst zu porträtieren. "Ich bin ein sehr bitterer Romantiker./ Bin ich bei mir, bin ich ein sehr warmer Romantiker./ Bin ich mit anderen, bin ich ein sehr kalter Romantiker." Ähnlich ist der Ton und der Rhythmus fast aller der hier publizierten Gedichte. Manche Gedichte sind in längerer, erzählender, elegischer Form geschrieben. Andere wiederum kurz und lakonisch. Auch das Thema der Shoah scheint auf, aber es ist nicht der Grundton der Gedichte. "Gegen Abschied" nennt der Autor ein Gedicht, in dem Auschwitz und Buchenwald genannt werden. Nach den vielen Toten in den Konzentrationslagern ist der in dem Gedicht erwähnte Schneider "entschieden" gegen jeden Abschied. "Und ich habe noch nicht alles gesagt", so lautet die Schlusszeile eines Gedichts. Wer die Lyrik dieses Autors jetzt zum ersten Mal in deutscher Sprache liest, kann nur hoffen, dass noch nicht alles gesagt ist! (Übers.: Ehud Alexander Avner)
Carl Wilhelm Macke
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Verlorener Kontinent
Natan Zach
Jüdischer Verl. (2013)
87 S.
fest geb.