Die Nachricht des Mörders
Alma Täuber, ein „Fräulein vom Amt“ in Baden-Baden, hört zufällig ein Gespräch mit, in dem ein Anrufer die Erledigung eines Auftrags mitteilt: Die Dame sei bei den Kolonaden zu finden. Alma ist irritiert, was hat dies zu bedeuten? Nach der
Lektüre eines Zeitungsartikels ist sie sich sicher, dass die Frauenleiche gemeint ist, die man bei den Kolonaden gefunden hat. Pflichtbewusst meldet sie ihre Beobachtung dem Büro der Kriminalpolizei. Doch da ist man wenig begeistert über ihren Eifer. Nur Kommissaranwärter Ludwig Schiller glaubt ihr. Erst ermitteln die beiden unabhängig voneinander, später zusammen. Emmi, ihre Freundin und Mitbewohnerin, verschafft ihr die nötigen Kontakte zur Rennbahn und illegalen Lokalen und Casinos. Auch ihr Cousin Walter unterstützt sie, nicht ganz uneigennützig wie es scheint. Dann geschieht ein zweiter Mord und schon bald merkt Alma, dass es nicht ganz ungefährlich ist, als Frau allein nachts unterwegs zu sein und Fragen zu stellen. Gut, dass Kommissaranwärter Schiller bald nicht mehr von ihrer Seite weicht. Ein spannender Krimi, der in Baden-Baden im Jahr 1922 spielt - Nachkriegszeit, Inflation, Auto- und Pferderennen und der Wunsch nach ein bisschen Glück und Glamour inklusive. Gekonnt gibt das Autorinnenduo Regine Bott und Dorothea Böhme die Atmosphäre der Zeit und die unterschiedlichen Charaktere wieder, sei es z.B. der versehrte Kriegsveteran oder die morphiumsüchtige Prostituierte. So erhalten die Nebendarsteller des Krimis ein authentisches Gesicht. Auch der Spagat der Frauen zwischen Tradition, Moderne, Beruf und neugewonnener Freiheit ist Thema. Nebenbei eine schöne Würdigung des fast vergessenen Berufes „Fräulein vom Amt“. Gerne empfohlen.
Angela Hagen
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Nachricht des Mörders
Charlotte Blum
Scherz (2022)
Fräulein vom Amt ; [1]
412 Seiten : Illustration, Karte
kt.