Die Geschichte des Krimis
Angesichts einer überbordenden Materialfülle ist es ein sehr gewagtes Unternehmen, eine Geschichte des Kriminalromans als Sachcomic verfassen zu wollen. Erfreut sich dieses Genre der Unterhaltungsliteratur doch seit mehr als einem Jahrhundert in
zahlreichen Ländern einer überaus großen Beliebtheit und hat im Laufe der Zeit viele Varianten hervorgebracht. So gesehen ist dieses Unterfangen dem Autorinnenduo sehr gut gelungen: Natürlich betrachten sie das Thema aus einer französischen Perspektive und legen ein Schwergewicht auf die frankophone Kriminalliteratur. Deutsche Autorinnen und Autoren werden dagegen nur am Rande erwähnt. Jedoch finden englischsprachige Klassiker wie Edgar Allen Poe, Arthur Conan Doyle oder Agatha Christie eine angemessene Berücksichtigung. Unabhängig von der getroffenen Auswahl und Gewichtung ist das Buch für Fans der Kriminalliteratur eine Fundgrube: Zeichnerisch werden im Stil der Ligne Claire Szenen aus Schlüsselromanen und Anekdoten aus dem Leben einzelner Schreibender vorgestellt, die sich wie z.B. bei Christie zu Kurzbiografien mausern. Immer wird dabei die Rezeptions- und Wirkungsgeschichte und die Umsetzung der Stoffe in Film und grafische Literatur bis in die Gegenwart mitbedacht. Zusätzlich verstecken sich in den Bildfolgen Lektüretipps in Hülle und Fülle. Das weiterführende Literaturverzeichnis am Ende des Werkes wurde für den deutschen Markt bearbeitet. Somit ein Sachcomic, der auf sehr unterhaltsame Weise eine große Wissensfülle zur Geschichte der Kriminalliteratur darbietet. Für große Bestände.
Siegfried Schmidt
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Geschichte des Krimis
Szenario: Claire Caland ; Zeichnungen: Sandrine Kerion ; aus dem Französischen von Harald Sachse
Splitter (2026)
215 Seiten : farbig
fest geb.