Im Orkan
Wolnopol wird vom Sand begraben. Es kommt immer mehr davon aus dem Osten, gesteuert von einem unsichtbaren Angreifer und bildet Orkane über und Dünen in der Stadt. Inmitten des Chaos' baut Maksym sein Geschäft als Drogendealer auf. Er wird allerdings
selbst abhängig und verliert immer mehr den Halt im Leben. Von seiner Mutter Nadia, die als Chirurgin im Krankenhaus arbeitet, entfernt er sich ebenfalls immer weiter. Sie sehen sich selten. Seine Mutter ist meistens im Krankenhaus und Maksym ist meistens auf der Straße unterwegs. Sein Großvater ist ihm in diesem Umfeld keine große Hilfe. Der alte Mann ist gezeichnet von den Spuren des Gulags und lebt sehr zurückgezogen. Während der Sand immer weiter zunimmt und immer gefährlicher wird, bricht die Familie langsam auseinander. Wird es jeder von ihnen überstehen? Zentrales Merkmal der Geschichte ist die Erzählung aus den verschiedenen Perspektiven, die organisch ineinandergreifen und das Geschehen aus verschiedenen Blickwinkeln zeigen. Das sprachliche Niveau ist hoch und verleiht der Handlung durch viel Metaphorik eine bedeutsame Tiefe. Das Ende ist ziemlich offen gehalten und regt die Leser:innen dadurch noch selbst zum Überdenken des Geschehenen an.
Julian Schirm
rezensiert für den Borromäusverein.
Im Orkan
Ulrike Almut Sandig
Schöffling & Co. (2026)
221 Seiten
fest geb.