Sonnenspiel
Loredana lebt in Apulien und näht Kleider für eine italienische Luxusmarke. Als Stella, eine Journalistin der New York Times, über Loredanas Arbeitsbedingungen berichten will, sperrt sie die neugierige Frau kurzerhand in ihre Speisekammer, um sie
an weiteren Recherchen zu hindern. Zwischen den beiden Frauen entsteht eine besondere Beziehung, die zwischen Ablehnung und Anziehung schwankt. Während die vermeintlich prekär beschäftigte Loredana entdeckt, wie verführerisch es ist, Macht auszuüben, indem sie die Journalistin auf Abstand hält und einer Veröffentlichung über ihre Arbeitsbedingungen nicht zustimmt, erhält sie den Auftrag, die legendäre Statue der Schmerzensmadonna aus dem Dom neu einzukleiden. – Diese Freundschaftsgeschichte kommt leicht daher. Der Roman lässt die Lesenden eintauchen in die italienische Lebensart in einem Dorf, mit all den unvermeidlichen Zuschreibungen einer „welterfahrenen“ Journalistin. Doch Loredana hinterfragt ebenfalls dieses Leben und die Bedingungen, in denen Stella als Journalistin ebenso gefangen ist wie sie. Nach und nach erleben wir eine wachsende Zugewandtheit und gegenseitiges Vertrauen, in dem Stella sich sogar vorstellen kann, ihr völlig getaktetes Leben gegen ein mögliches Dasein in einem italienischen Dorf einzutauschen. Sowohl Loredanas Beziehung zu ihren alten Eltern als auch der liebevolle Umgang mit den Kindern scheinen in Stella eine Sehnsucht auszulösen und stellen ihr Leben infrage. Gerne allen Büchereien empfohlen.
Silvia Eilers
rezensiert für den Borromäusverein.
Sonnenspiel
Andrea Grill
leykam: Belletristik (2026)
268 Seiten
fest geb.