Annuschka Blume
Anna Konstantinowna ist Lehrerin in einem ukrainischen Dorf. Ihre Welt ist klein und überschaubar - sie besteht aus ihren Schülern, der Nachbarin und dem Pferd "Mutter". Piotr Michailowitsch ist ein Reisender, immer auf dem Weg, immer auf der Suche.
In den Alpen stellt er Vergleiche zwischen den Bergen und der Steppe an, im Nahen Osten sucht er nach dem Geheimnis des uralten Gilgamesch-Epos. In Briefen nehmen die beiden sich gegenseitig mit in ihre Welten. Sie schwelgen in Erinnerungen, Fantastereien und Wolkenschlössern, vor allem aber in Betrachtungen über das Wesentliche. Und so erfährt der Leser nicht weniger, als was die Liebe, die Wahrheit und was Gott ist. Letztlich treibt diese beiden und mit ihnen die Autorin wohl vor allem die Freude an der Poesie und am Fabulieren an, der Wunsch, das Wunder am Leben zu erhalten: "Ich will es nicht wissen, nur mich wundern, mein schönster Zeitvertreib, mein einziger." - Dieses Buch ist nichts für Leser, die eine kontinuierliche Handlung oder eine mitreißende Geschichte wünschen. Aber es ist ein Schatz für Leser, die die Kunst der Sprache lieben und sich über wunderbare Kleinigkeiten freuen können. Für diese Zielgruppe sehr zu empfehlen.
Dietlind Grüne
rezensiert für den Borromäusverein.
Annuschka Blume
Marjana Gaponenko
Residenz-Verl. (2010)
251 S.
fest geb.