Die Seine fließt ins Schwarze Meer

Boris Schumatsky lebt, da seit langen Jahren Kritiker an der russischen Politik, im deutschen Exil. Seine von ihm geliebte Mutter jedoch in Moskau. In seinem eindrucksvollen Roman verbindet er die Erinnerung an seine russische Kindheit und Heimat und Die Seine fließt ins Schwarze Meer sein Leiden an der Situation mit der Lebensgeschichte des Lyrikers Paul Celan, aus der Sicht Natalias, einer Freundin Celans, aber auch von Schumatskys Mutter. Mit außerordentlichem literarischem Geschick weiß er beide Geschichten miteinander zu verweben. In dem eindrucksvollen Roman weiß der Autor mit viel Empathie, aber auch literarischer Verve zu erzählen: von seiner Nostalgie beim Gedanken an zu Hause und die Kindheit, seiner Liebe zur nun unerreichbaren Mutter, aber auch mit einem analytischen Blick auf die gesellschaftspolitische Entwicklung in Putins Russland. Und mit genauso viel literarischer Meisterschaft erzählt er vom Leben des anderen Exilanten, Paul Celan, in Paris, von den Begegnungen des Künstlers mit den Menschen, die sein Parser Leben bis zu seinem Tod prägten, mit dessen Leiden am eigenen Schicksal. Aber es ist nicht nur ein Roman über zwei Biografien. Es ist gleichzeitig ein Buch, in dem der Autor hinter den beiden Schicksalen tiefgründig über das Leben reflektiert, über Politik und Kultur, Gewalt und Heimat(verlust), Sehnsucht und Liebe, ein Buch, das kein Leser vor dem Ende aus der Hand legen wird und das ihm lange im Gedächtnis bleiben wird. Sicher von der literarischen Qualität her eines der besten Bücher, die in diesem Jahr in Deutschland erschienen sind. Unbedingt lesenswert und allen Büchereien zu empfehlen.

Günter Bielemeier

Günter Bielemeier

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Die Seine fließt ins Schwarze Meer

Die Seine fließt ins Schwarze Meer

Boris Schumatsky
Residenz Verlag (2026)

407 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 756304
ISBN 978-3-7017-1816-0
9783701718160
ca. 29,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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