Das leise Sterben
Nach Überzeugung des Autors läuft vieles schief in der Landwirtschaft mit enormen Auswirkungen auf das menschliche Leben. Dies untermauert er in der Bestandsaufnahme mit einer massiven Kritik an der Medizin und den Ernährungsempfehlungen, die die
Zunahme der chronischen nichtübertragbaren Krankheiten und deren Zusammenhang mit der Ernährung nicht zur Kenntnis nehmen, an der Schädigung der Böden, an der Lebensmittelproduktion und der industriellen Landwirtschaft, am manipulativen Lobbying der Konzerne, am Verlust der Biodiversität und an der menschlichen Unzulänglichkeit, die ungehemmte Übernutzung der Ressourcen zu erkennen. Danach versucht er, die Komplexität des Lebens von den Anfängen bis zum Menschen zu verdeutlichen, beschreibt die Bedeutung der Bodenlebewesen und der Mikroorganismen im Darm von Tier und Mensch und gibt einen Überblick über die in der Landwirtschaft verwendeten Düngemittel und Pestizide. Beispiele und Methoden zeigen, dass eine Rückkehr zur kreislaufbasierten Nutzung des Bodens zur Produktion natürlicher pflanzlicher und tierischer Nahrungsmittel möglich ist. - Es ist ein vielschichtiges, lesenswertes Buch mit einer starken Befürwortung der natürlichen Landwirtschaft, das den kritischen Leser anspricht, der aber kaum die Sichtweise, dass der Übergang vom Jäger- und Sammlerdasein zur agrarischen Lebensweise ein Unglücksfall der Geschichte ist, teilen wird.
Helmut Eggl
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Das leise Sterben
Martin Grassberger
Residenz Verlag (2019)
Leben auf Sicht
334 Seiten
kt.