Spätes Tagebuch
Paulina Neblo lebt gerne alleine in ihrem großen Haus. Frei von finanziellen Sorgen vermisst sie weder Freunde noch Verwandte und genießt ihr selbstbestimmtes Leben und die kleinen Freuden des Alltags. Doch immer wieder holt sie die Erinnerung an
die Schicksalsschläge ein, den Tod von Mann und Tochter. Und immer wieder lässt sie unliebsame Gäste in ihre selbst gewählte Einsamkeit eindringen: einen egoistischen ehemaligen Liebhaber, eine leicht paranoide ehemalige Kollegin und schließlich deren Ehemann. Paulinas Lebensentwurf erweist sich dadurch als fragiler, als sie sich selbst eingestehen will. Immer wieder setzt sie sich mit den eigenen Schwächen auseinander, die sie mal belächeln kann und die sie das nächste Mal an den Rand des Todes bringen. Und dann findet sie den Weg ins Alter, der nicht im Rückzug besteht, der das Altern akzeptiert, annimmt und etwas Neues daraus gestaltet: der Weg zurück in ihren Beruf als Choreografin. Das allerdings, ohne noch etwas beweisen zu müssen, einfach nur ihre Kompetenz der langjährigen erfolgreichen Berufserfahrung nutzend und mit Freude an der neuen Aufgabe. Unaufdringlich, ohne belanglos zu sein, liest die Autorin selbst die klugen Gedanken. Auf leichte Art unterhaltsamer ist Ironside: Nein ich will keinen Seniorenteller (BP 08/449) zum gleichen Thema. Authentischer und mit mehr psychologischer Spannung ist dieser Titel, der gerne empfohlen werden kann.
Lotte Schüler
rezensiert für den Borromäusverein.
Spätes Tagebuch
Erika Pluhar
Residenz-Verl. (2010)
5 CDs
CD