Weites Leben, weites Herz
Schon lange dient die Regel des hl. Benedikt als Ausbildungsprogramm für Manager und andere Führungspersönlichkeiten. Dass sie aber auch für das private Leben und für die Kirche als ganze wesentliche Orientierungshilfen geben kann, davon legt
Erzabt Korbinian Birnbacher aus der Salzburger Abtei Sankt Peter ein beeindruckendes Zeugnis ab. Wie man, stets auf dem Boden der Realität bleibend und auch mit Schwierigkeiten, gravierendem Versagen oder auch nur dem Allzu-Menschlichen ringend, Gemeinschaft gestalten, seine Mitmenschen in Entscheidungsprozesse einbinden kann, zeigt Abt Korbinian in teils sehr intimen Einblicken in sein eigenes Leben und das seines Konventes. Für ihn ist die Benedictusregel nicht in Stein gemeißelt, sondern bedarf in jeder Epoche und in allen Situationen einer einfühlsamen, auf das Wesentliche zielenden Interpretation. So übersetzt der Erzabt, der sich auch für das Frauenpriestertum ausspricht, die Praxis der Kapitelentscheidungen im Kloster in ein Plädoyer für eine synodale, alle miteinbeziehenden Kirchenverfassung. Hier bleiben allerdings wichtige Fragen offen: Können Kloster und Kirche deckungsgleich geführt werden, vor allem wenn Petrus- und Bischofsamt göttlichen Rechts sind? Inspirierend ist freilich seine Mahnung, dass es in der Kirche wieder eine Kultur des Hörens aufeinander geben muss.
Richard Niedermeier
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Weites Leben, weites Herz
Korbinian Birnbacher ; in Zusammenarbeit mit Josef Bruckmoser
Tyrolia-Verlag (2024)
175 Seiten
fest geb.