Mein Papa ist kein Mörder
Diese Graphic Novel schildert, was es bedeutet, wenn jemand aus einer Familie plötzlich eine Gefängnisstrafe verbüßen muss. Von einem Tag auf den anderen ist der Vater einer vierköpfigen Familie, ein Busfahrer, verschwunden. Kurze Zeit später
erfahren die beiden minderjährigen Kinder den Grund seines Wegbleibens. Er sitzt in Untersuchungshaft, weil er durch eine Unachtsamkeit einen Unfall verursacht hat, bei dem ein radfahrendes Kind zu Tode gekommen ist. Im Prozess wird er zu drei Jahren Haft verurteilt. Alle Beteiligten durchleben eine sehr schwierige, von Missverständnissen, stark eingeschränkter Kommunikation, finanzieller Not, Schuldgefühlen und verschiedenen psychischen Problemen belastete Zeit, die auch mit der vorzeitigen Haftentlassung nicht endet. Denn der Verurteilte wird von vielen aus seinem Umfeld als "Mörder" stigmatisiert und hat große Mühe, in seinem im Gefängnis neuerlernten Beruf als Koch Fuß zu fassen. Die Erzählung wird immer wieder von kurzen, informativen Sachtexten unterbrochen, die sehr passend die zuvor erzählte Situation und die damit verbundenen rechtlichen Bestimmungen oder die typischen Konflikte sowie auch mögliche Hilfsangebote aufgreifen. Obwohl die Erzählung auf der Basis der österreichischen Rechtslage entstanden ist, kann doch das Allermeiste wohl ohne Weiteres auf Deutschland übertragen werden. Die Bilder setzen oftmals emotionale Ausbrüche recht drastisch in Szene; insbesondere wird dabei das Aufsichtspersonal in den Gefängnissen in ein recht schlechtes Bild gerückt. – Vor allem in ausgebauten Bilderzählungsbeständen möglich.
Siegfried Schmidt
rezensiert für den Borromäusverein.
Mein Papa ist kein Mörder
Christine Hubka ; [Illustrationen:] Lukas Vogl
Tyrolia-Verlag (2024)
[unpaginiert] : farbig
kt.