Mein langer Atem
Als „persönliche Spurensuche – eine Auswahl von Erinnerungen, Begegnungen und Momenten“ beschreibt Huainigg den Inhalt seines jüngsten Werks, versehen mit einem Fototeil und einigen Gedichten. Viele Bücher hat er schon veröffentlicht und
bei seiner Abschiedsrede aus dem Österreichischen Nationalrat begeisterte er mit seinem Gedicht „Gott und die Welt“, das nachzulesen sich unbedingt lohnt. Der gebürtige Kärntner ist seit einer Impfung im ersten Lebensjahr gehandicapt, wobei im Laufe der Zeit leider immer mehr Körperfunktionen ihren Dienst versagen. Dennoch verliert er nie seinen Lebenswillen und Elan, wiewohl er natürlich viele physische und psychische Täler durchqueren muss. „Verletzlich zu sein, heißt nicht, schwach zu sein. Es heißt lebendig zu sein.“ Huainigg war Abgeordneter, er ist Literat, Beauftragter für Barrierefreiheit beim ORF, Initiator von „Nicht ins Dunkel“, Familienvater und auf vielen anderen Gebieten äußerst rührig. Trotz seines Leidens verliert Huainigg nie seinen Humor – und seinen Glauben. Immer wieder beschleicht ihn trotzdem Wut: über gescheiterte Beziehungen, Freundschaften, Barrieren, blöde Sprüche und Gedankenlosigkeiten. Diese Wut aber ist gleichsam auch Motor: „für klare Worte, Grenzen, Veränderung“. Für Unterstützung im Alltag ist der Tausendsassa auf Hilfe angewiesen und so helfen ihm, neben seiner geliebten Frau Judit, viele persönliche Assistent:innen, diesen zu meistern. Dazu braucht es Vertrauen – und Dankbarkeit. Die empfindet er sehr stark, denn „die Augenblicke vergehen, aber es bleibt ein Gefühl des Glücks“. – Franz-Joseph Huainigg ist ein außergewöhnlicher Mensch, und sein Buch enthält viele Lebensweisheiten, die jeden Leser, egal ob er sich mit kleinen Problemchen oder großen Umwälzungen in seinem Leben beschäftigen muss, unweigerlich zum Abwägen bringen, ob denn das eigene Schicksal wirklich so dramatisch ist und man ihm vielleicht sogar etwas Gutes abringen kann. Ein überaus lesenswertes Buch für eine breite Leserschaft!
Sabine Tischhöfer
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Mein langer Atem
Franz-Joseph Huainigg
Tyrolia-Verlag (2026)
245 Seiten : Illustrationen (überwiegend farbig)
fest geb.