Mich kriegt Ihr nicht!
Joseph Wisnicki erzählt in diesem 1997 für seine Familie verfassten Erinnerungsbuch von seiner gewagten Fluchtgeschichte, die ihn vom polnischen Tschenstochau infolge der 1939 erzwungenen Besetzung Polens durch Nazi-Deutschland bis nach Bludenz (Vorarlberg)
führte, wo er als polnischer, vermeintlich katholischer Fremdarbeiter in einer Gärtnerei arbeitete. Joseph, 1916 in Tschenstochau geboren, das neben der Wallfahrt zur „Schwarzen Madonna“ auch von vielfältigen jüdischen Traditionen geprägt war, genießt eine glückliche Kindheit und Jugend. 1938 in die polnische Armee eingezogen erlebt er am 1. September 1939 den Überfall NS-Deutschlands auf Polen, was auch den Beginn seiner Flucht markiert. Aufgrund der desolaten militärischen Lage Polens und der wachsenden Bedrohung der jüdischen Bevölkerung wechselt er auf die sowjetische Seite, kommt in Gefangenschaft, aus der er jedoch entkommen kann. Als nichtjüdischer Pole getarnt, mit falschen Dokumenten versehen, aber auch durch die Hilfe mutiger Menschen gelangt er nach der Flucht durch das Deutsche Reich mit neuer Identität nach Vorarlberg. Mit viel Glück und großem Geschick übersteht er verschiedene Gefängnisaufenthalte in Bludenz und Bregenz und wird kurz vor Kriegsende in das KZ Reichenau bei Innsbruck eingewiesen, wo er die Befreiung durch die US-Armee erlebt. Danach kehrt er behutsam und langsam zu seiner jüdischen Identität zurück, arbeitet in jüdischen Hilfskomitees und lernt dabei seine spätere Frau Leokadia (Lorraine) kennen. Nach ihrer Heirat 1946 und Aufenthalten in Innsbruck und Wien emigrieren sie 1950 in die USA (New York), wo Joseph hochbetagt 2016 stirbt. Die Herausgeber dieses Fluchtberichts, Dominik Markl und Niko Hofinger, untermauern und ergänzen die persönlichen Erinnerungen mit authentischen Fakten und gewähren darüber hinaus Einblicke in das Schicksal von Josephs Freunden und Bekannten. – Für alle Büchereien geeignet!
Inge Hagen
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Mich kriegt Ihr nicht!
Joseph Wisnicki ; aus dem Englischen von Brgit Salzmann
Tyrolia-Verlag (2026)
157 Seiten : zahlreiche Illustrationen (teilweise farbig)
fest geb.