Sieben Flüsse

"Wer mich fragt, muss mit Einzelheiten rechnen." So beginnt Thurnher seinen Gedichtband und gibt die Linie vor. Mit gutem Auge für das Detail, sei es in der Natur, im Haus und Garten oder im Verhalten der Mitmenschen, beobachtet er sein Umfeld und Sieben Flüsse rückt die kleinen Dinge (Einzelheiten) in den Fokus. Das lyrische Ich setzt sich selbstbewusst mit seinem Gegenüber auseinander: Da wird der Frühling schon mal zum "Schwindler" und zum "Enttäuschungsungeheuer", die Personifikation emotional aufgeladen "Die Japankirsche schämt sich in Loden" und das Farbenspiel präzise nuanciert: "das Nochgrün, das Bald-Sattgrün, das Bald-Nimmergrün". Kritische Bemerkungen und ein ironischer Unterton finden sich in den Gedichten, in denen der Umgang mit der Natur zur Sprache kommt. Menschen fallen in teuren Familienvans in die Landschaft ein und eignen sie sich rücksichtslos als Erholungsraum an. Sie werden nicht nur als Störfaktor, sondern als Plage empfunden, der energisch Einhalt geboten wird: "So geht's nicht weiter!" Im letzten Gedicht "Auslauf" heißt es: "Doch kennen einander wir nun." Das ist genau der Eindruck, der im Leser nachhallt: Dass man nicht nur wunderbare Lyrik genossen, sondern auch einen besonderen Menschen kennengelernt hat. "Sieben Flüsse" ist Poesie in Höchstform, ein beachtenswerter Gedichtband und eine Bereicherung für jeden Bestand.

Gertrud Plennert

Gertrud Plennert

rezensiert für den Borromäusverein.

Sieben Flüsse

Sieben Flüsse

Armin Thurnher
Czernin Verlag (2025)

114 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 622122
ISBN 978-3-7076-0867-0
9783707608670
ca. 22,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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