Mutter, schafft

Linda Biallas schreibt in diesem Buch über ihre eigenen Erfahrungen. Als junge Studentin wird sie ungeplant schwanger. Der Vater zieht sich vorerst aus der Verantwortung. Schnell merkt sie, an welche Grenzen eine junge, alleinerziehende Frau mit geringen Mutter, schafft finanziellen Mitteln stößt. Später, nach Beendigung ihres Studiums, bekommt sie ein zweites Kind in einer Partnerschaft. Nach der Trennung lebt sie gelungen ein Familien-Wechsel-Modell mit den beiden Vätern. Es gelingt, Care-Arbeit und Elternsorge zu teilen. Anhand ihrer eigenen Erfahrungen zeigt Biallas auf, wie tief patriarchalische Strukturen und herkömmliche Rollenverteilungen immer noch verankert sind, wie das Modell der Kleinfamilie und das damit zusammenhängende kapitalistische Wirtschaftssystem die Ungleichheit festigen, wie schwierig es ist, andere, gerechtere, Wege zu gehen. Sie thematisiert ungleich verteilte Care-Arbeit, das Gender-Pay-Gap, das unweigerlich zu weiblicher Altersarmut führt. - Die Autorin hat kein Patentrezept zur Lösung dieser Problematiken. Sie fordert aber alle Menschen, Frauen wie Männer dazu auf, sich ihnen zu stellen. Sie fordert dazu auf, weiter und freier zu denken, prägende Rollenbegriffe wie Vater- oder Mutterrolle abzuschaffen. "Ich will das gute Leben" (S. 261) sagt sie, und zwar für alle. – Durch die Mischung von feministischem Sachbuch und dem eigenen Erfahrungsbericht macht Biallas das Thema der Geschlechterungerechtigkeit im kapitalistischen Patriachat sehr plastisch und dadurch leicht verständlich. Damit macht sie dieses wichtige Thema breiteren Zielgruppen zugänglich. Hinzu kommt das ansprechend gestaltete Cover. Ab mittleren Beständen sehr gut einsetzbar.

Dorothee Rensen

Dorothee Rensen

rezensiert für den Borromäusverein.

Mutter, schafft

Mutter, schafft

Linda Biallas
Haymonverlag (2022)

279 Seiten
kt.

MedienNr.: 611007
ISBN 978-3-7099-8178-8
9783709981788
ca. 17,90 € Preis ohne Gewähr
Systematik: So
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