Der Stumme
Das Kindheitstrauma, das dem Protagonisten Lothar Ferro die Sprache verschlagen hat, lastet als schwere Bürde auf dem Verstummten. Als junger Erwachsener begibt er sich auf der Suche nach dem gewalttätigen Vater, einem Alkoholiker, der die Mutter
in den Tod gestoßen hat und dafür verurteilt wurde. Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis schlägt sich Ferro als Bauarbeiter in den Bergen durch. Seinen Sohn, der sich nicht zufällig demselben Bautrupp angeschlossen hat, erkennt er anfangs nicht. In der Abgeschiedenheit des Schweizer Jura entwickelt sich ein packendes Drama, in dem es um Suchen und Finden, um Erinnern und Vergessen, um Schuld und Sühne geht. Die harte Arbeit auf der Baustelle am Gebirgspass steht in krassem Widerspruch zur Zartheit und Verletzlichkeit des Protagonisten. Mit einer einzigartigen Sprache entwirft Otto Walter poetische Bilder, die in ihrer Intensität ihresgleichen suchen. "Der Stumme" ist ein großer Roman aus dem Jahre 1959, der heute immer noch aktuell, lesens- und empfehlenswert ist.
Gertrud Plennert
rezensiert für den Borromäusverein.
Der Stumme
Otto F. Walter
Atlantis (2023)
281 Seiten
fest geb.