ABC des Lesens
Das Buch erschien zum ersten Mal bereits Anfang der 30er Jahre des 20. Jh., aber an seiner Aktualität hat es nichts verloren. Ezra Pound, einer der belesensten und klügsten, aber auch umstrittensten Schriftsteller in der ersten Hälfte des 20. Jh.,
präsentiert hier sein großes literarisches Wissen einem breiteren, an Literatur interessierten Publikum. Dabei geht es dem Autor zuletzt um einen Kanon an Werken, den man als Leser kennen sollte, um als "gebildet" zu gelten. Vielmehr will Pound Interesse, ja Liebe für die Literatur wecken, kein enzyklopädisches Wissen. Typisch hier eine Passage über Lyrik: "Ich bin felsenfest überzeugt, dass der Mensch mehr über Dichtung erfährt, wenn er ein paar der besten Gedichte wirklich kennt und untersucht, als wenn er ziellos unter einer großen Menge Gedichte umherschweift." Pound war ein großer Dichter, aber alles andere als ein großer Systematiker. So fällt es auch schwer, sich in diesem ABC des Lesens zurechtzufinden. Aber anregend, manchmal sogar mitreißend ist dieses Buch immer - auch dort, wo man nicht mit dem Autor übereinstimmt. "Pound ist als Lehrer Dichter, wie er als Dichter Lehrer ist", wie ein Kritiker anlässlich der deutschen Erstausgabe des Buches im Jahre 1957 schrieb. - Größeren Beständen sehr empfohlen. (Übers.: Eva Hesse)
Carl Wilhelm Macke
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
ABC des Lesens
Ezra Pound
Arche (2013)
Arche Paradies
138 S.
fest geb.