Die Brücke von San Luis Rey
Der neu übersetzte Klassiker (Erstausgabe 1927) des dreimaligen amerikanischen Pulitzer-Preis-Trägers erzählt von einem Franziskanermönch, der in seiner Hybris von der Obsession getrieben wird, Gottes Existenz aus dessen Wirken auf Erden beweisen
zu wollen. Als im Jahre 1714 eine berühmte peruanische Hängebrücke einstürzt, die fünf Menschen in den Tod reißt, "hatte er geglaubt, er könne (...) sehen, wie die Sündhaften der Vernichtung anheimfielen und die Rechtschaffenen früh ihren Platz im Himmel fänden." (S. 142) Seine minutiösen Recherchen, niedergeschrieben in einem Buch, werden für ketzerisch erklärt und das Buch wird "zusammen mit seinem Schöpfer (...) verbrannt." Tatsächlich sind die Schicksale der zu Tode Gekommenen dennoch auf geheimnisvolle Weise miteinander verwoben, sodass die im ersten Teil aufgeworfene Frage, ob der Zufall in der Welt regiert oder ob wir alle in Gottes Hand sind, der unsere Geschicke lenkt, sich dem Leser auf ganz eigene Weise stellt. Die fünf Getöteten stehen nicht nur alle in bestimmter Hinsicht in Beziehung zueinander. In ihrem Leben spielt die tragische Liebe zu einem anderen Menschen auf jeweils andere Weise eine herausragende, ihr Leben bestimmende Rolle. - Ein großer ins Metaphysische hinein weisender Roman also, der die Frage nach dem Sinn unserer Existenz stellt, aber auch ein großer Roman über die Liebe: "Es gibt ein Land der Lebenden und ein Land der Toten, und die Brücke zwischen ihnen ist die Liebe, sie allein überlebt, sie allein ergibt einen Sinn." (S. 152) (Übersetzt von Brigitte Jakobeit und ergänzt durch eine interpretierende Parallelerzählung von Patrick Roth)
Die Brücke von San Luis Rey
Thornton Wilder
Arche (2014)
172 S.
fest geb.