Dämmerschlaf
Pauline Manfords persönlicher Terminkalender muss täglich im 15-Minuten-Rhytmus abgearbeitet werden. Damit alles reibungslos funktioniert, ist dafür eine eigene Sekretärin zuständig. Für die Mitglieder ihrer Familie ist es kaum möglich, spontan
Kontakt zur Frau des Hauses zu erhalten. Friseur, Kosmetik, Maniküre und diverse Empfänge beherrschen den täglichen Rhythmus. Fast jeden Tag werden Partys konzipiert, bei der sich dann die Upperclass trifft und wo dann auch die Familie zu erscheinen hat. Dabei entgeht es vollkommen Paulines Aufmerksamkeit, dass die Ehe ihres Sohnes Jim zu scheitern droht und Nona, ihre Tochter, sich in einer Lebenskrise befindet. Alle drängenden Fragen gleiten an Pauline vorbei, da bereits wieder die nächste Party geplant werden muss. - Der bereits 1927 erschienene Roman wurde wieder neu aufgelegt und von Andrea Ott perfekt ins Deutsche übersetzt. Mit Scharfsinn und Ironie versteht es Edith Wharton, Einblick in das oberflächliche Leben und die Marotten der oberen Gesellschaftsschicht Amerikas, der auch sie entstammte, zu geben oder, besser gesagt, diese "aufs Korn zu nehmen".
Elfriede Bergold
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Dämmerschlaf
Edith Wharton
Manesse-Verl. (2013)
313 S.
fest geb.