Iran - die Freiheit ist weiblich
Die Journalistin Golineh Atai beschreibt in ihrem Buch das Schicksal von Frauen im Iran, die sich gegen ihre Entrechtung und Verarmung auflehnen. Dabei spannt sie den Bogen von der Revolution im Jahre 1979 bis heute. Im Focus stehen Frauen, die sich
gegen die Zwänge innerhalb ihrer Familien zur Wehr setzen oder sich gar an Protesten gegen das Mullahregime beteiligt haben. Da ist etwa Shahnaz Akmali, die ein Netzwerk von Familien aufgebaut hat, deren Kinder eingesperrt oder ermordet wurden. Auch Shahnaz' Sohn Mostafa wurde gefoltert und durch einen Kopfschuss hingerichtet. Sogar sein Grab wurde von Sicherheitskräften geschändet. Oder Atena, eine junge Frau, die in verschiedenen Gefängnissen inhaftiert und gefoltert wurde - und wird -, weil sie gegen die Diktatur aufbegehrt. Golineh Atai, deren Eltern 1979 aus dem Iran geflohen sind, lässt die betroffenen Frauen und ihre Familien zu Wort kommen. Ihre Schilderungen der Verhältnisse gehen unter die Haut, weil sie schonungslos das menschliche Leid offenlegen - und die Menschenverachtung der Täter. Atais Porträts zeigen aber auch einen scheinbar unbezwingbaren Willen, sich für Demokratie und Freiheit einzusetzen.
Walter Brunhuber
rezensiert für den Borromäusverein.
Iran - die Freiheit ist weiblich
Golineh Atai
Rowohlt Berlin (2021)
319 Seiten
fest geb.