Kälte
Im neuen Roman des schlesischen Autors (zuletzt "Demut", BP/mp 22/454) erzählt er die bewegte Geschichte Konrad Widuchs. Als 14-Jähriger bricht er aus einem schlesischen Dorf auf, arbeitet im Ruhrgebiet, dient im Ersten Weltkrieg als Marinesoldat,
nimmt am Matrosenaufstand 1918 teil, ist danach in den geschichtlichen Wirren Russlands unterwegs, wird unter Stalin gefoltert und in ein Arbeitslager im Norden Sibiriens verbracht. Twardoch bettet diesen großen zeitgeschichtlichen Überblick ein in eine Rahmenhandlung: Der Autor wird von einer alten Frau eingeladen, sie auf einem Segeltörn zu begleiten und gibt ihm unterwegs die Notizen Widuchs zu lesen. Wortgewaltig und für aufgeschlossene Leser entfaltet sich ein zeitgeschichtliches Panorama, das auch Grausamkeiten nicht ausspart. Lesenswert.
Michael Müller
rezensiert für den Borromäusverein.
Kälte
Szczepan Twardoch ; aus dem Polnischen von Olaf Kühl
Rowohlt Berlin (2024)
427 Seiten
fest geb.