Der Lärm des Lebens
In „Der Lärm des Lebens“ erzählt der bekannte Schauspieler Jörg Hartmann („Kommissar Faber“ im Dortmunder Tatort) seine Geschichte, eng verknüpft mit dem Sozial- und Mentalitätsgefüge im Ruhrgebiet, wo Hartmann herstammt. Dies bestimmt
auch den locker, dabei sehr menschlich nüchtern gefassten Tonfall des Buches. Es ist eine sehr persönliche und zugleich zeittypische und facettenreiche Erzählung vom Wunsch des Autors, mit der Schauspielerei in die „große Welt“ und raus aus engen Familienbanden, aus Provinz und deutscher Kleingeisterei zu kommen. Die Einsicht, Herkunft und Heimat unverloren immer wieder mit sich zu führen und auch als Schatz der Persönlichkeit zu erfahren, leitet das Buch. Hartmanns Großeltern, beide gehörlos, wären beinahe Opfer der Nazis geworden. Den heimlichen Schwerpunkt des Buches bildet die Beziehung zum Vater, einem Dreher und leidenschaftlichen Handballer, der im Alter schwer an Demenz erkrankt. Hier hält Hartmann wie auch in den Erfahrungen mit dem Theaterbetrieb stets die Balance zwischen Tragik und Komik und trifft die leisen Töne, die kein Pathos und nichts Klischeehaftes aufkommen lassen. – Das Buch kann allen Leser:innen, nicht nur den Faber-Fans, empfohlen werden und sollte gerade in Büchereien im Ruhrbistum nicht fehlen.
Helmut Krebs
rezensiert für den Borromäusverein.
Der Lärm des Lebens
Jörg Hartmann
Rowohlt Berlin (2024)
298 Seiten
fest geb.