Das Herz von allem
Unter dem Einfluss der Illuminaten und Freimaurer ist der Ich-Erzähler John aus seinem Orden ausgetreten und hat sich von dem reichen amerikanischen Abenteurer Oliver für die Suche nach dem Behemoth, dem mystischen Urtier (siehe auch Hiob 40,15),
das es in den Osten Nordamerikas verschlagen haben soll, anheuern lassen. Die kunterbunt zusammengestellte Gruppe, die Olivers Geld, die Hoffnung auf Freiheit und Unsterblichkeit durch die Körpersäfte des Behemoths zusammenhält, startet in New York und erreicht das Gebiet der Lakota in der Mitte Nordamerikas. John kommt auf Olivers Befehl die Rolle zu, durch das Tragen seines Ordensgewandes bei Siedlern und Indigenen möglichst befriedenden Eindruck zu machen. Die Mühen des Reisens bringen es mit sich, dass er für die Teilnehmer zunehmend zu einem gesuchten Gesprächspartner für ihre Fragen nach dem Sinn ihres Lebens und der Schöpfung wird. Die Lakota durchschauen schnell, dass mit den Eindringlingen irgendetwas nicht stimmt. Allein John, den Oliver als Chefvermittler bestimmt hat, wird als Gesprächspartner vom Stammeshäuptling akzeptiert. In intensiven Gesprächen tauschen sich der Oberschamane Old Smoke und John über die Grundlagen ihrer Spiritualität aus. Und John wird mit Oliver zu dem Tal geführt, das die Abenteurer als Aufenthaltsort des Behemoths suchen. – Ein spannend geschriebener Abenteuerroman, gerade für alle Karl May Leser eine willkommene Auffrischung. Nußbaumeder gelingt eine literarisch gekonnte Verknüpfung europäischer Geistesgeschichte mit amerikanischem Unabhängigkeitsstreben, konfrontiert mit der Entzauberung durch die Lebensweisheit der Indigenen Nordamerikas. Breit empfohlen.
Rolf Pitsch
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Das Herz von allem
Christoph Nußbaumeder
Rowohlt Berlin (2025)
446 Seiten
fest geb.