Es war nicht anders möglich
Mit Mitte dreißig ist Martina an einem Tiefpunkt in ihrem Leben angelangt: Arbeits-, antriebs- und perspektivlos, einsam und alkoholabhängig macht sie die Nacht zum Tag. Vergeblich versucht sie, den unerwarteten Tod ihres Vaters zu verdrängen, um
sich nicht der Trauer aussetzen zu müssen. Sie schreibt an ihn, um den Emotionen zu entkommen und nicht ganz in die Hoffnungslosigkeit abzugleiten. Das Gefühl der Leere und Sinnlosigkeit war schon vor dem Tod des Vaters da, ebenso die tägliche Flucht in den Rausch. Schreibend hält Martina, das Scheidungskind, die Erinnerungen an die seltenen Begegnungen mit dem Vater fest, möchte ihn aber am liebsten aus ihrer Biografie herausschreiben. Um nicht allein zu sein, stürzt sie sich verzweifelt ins Berliner Nachtleben, verbringt viel Zeit in verrauchten Eckkneipen, sucht ein Zuhause oder zumindest jemanden, der ihr zuhört. Das literarische Debüt der Schauspielerin Svenja Liesau ist ein radikaler Roman, der mit teils drastischen Bildern die Geschichte einer psychisch labilen jungen Frau erzählt. Die Empfehlung für größere Bestände wird mit dem Hinweis auf die Triggerwarnung am Ende des Romans verbunden.
Gertrud Plennert
rezensiert für den Borromäusverein.
Es war nicht anders möglich
Svenja Liesau
Rowohlt Berlin (2026)
237 Seiten
fest geb.