Nur Meer und Himmel
Michael hat immer wieder Albträume von seinem brennenden Großvater. Er weiß, dass sein U-Boot im Zweiten Weltkrieg von einem Torpedo getroffen wurde und sein Gesicht seitdem entstellt ist. Seine Eltern hatten ihm eingeschärft, den Großvater nicht
anzustarren, wenn er zu Besuch in London war. Michael strengte sich an, es nicht zu tun, doch früher oder später konnte er nicht anders. Und er war nie abgestoßen, eher fasziniert und entsetzt. Jahre später besucht Michael den Großvater öfter in seinem Cottage auf einer winzigen Scilly-Insel ohne Strom, wo er vom Hummer- und Krabbenfang lebt. Eines Tages, als sie wieder einmal aufs Meer hinausfahren, sagt der Großvater, es gefalle ihm an Michael, dass er ihn ansehe, was seine Frau Annie damals nicht konnte. Weswegen sie dann auch eines Tages mit ihrer Tochter, Michaels Mutter, verschwunden sei. Und er erzählt ihm, wie es war, damals, als sein Freund Jim ihn in das Rettungsboot hievte und sie sich Geschichten erzählten, um bloß nicht einzuschlafen. Und wie er mit anderen Verletzten eine Woche lang ohne Wasser und Brot auf dem Meer trieb. - Michael Morpurgo hat eine anrührende Geschichte über eine Annäherung geschrieben. Manchmal braucht es dafür eben den Abstand von Generationen. Gemma O'Callaghans Siebdrucke in expressiven Orange- und Türkistönen unterstreichen den Kontrast von Erinnerung und versöhnlichem Gespräch. - Ein Kinderbuch, das auch Erwachsene bewegt.
Karin Blank
rezensiert für den Borromäusverein.
Nur Meer und Himmel
Michael Morpurgo. Mit farb. Bildern von Gemma O'Callaghan
Fischer KJB (2015)
Die Bücher mit dem blauen Band
46 S. : überw. Ill. (farb.)
fest geb.
Borromäus-Altersempfehlung: ab 12