Mit eigenen Augen
Nach der Beinahe-Überdosis eines weiblichen Groupies während einer gemeinsamen Nacht zieht sich der angesagte norwegische Rockstar Jim Winge verstört zurück. Am Meer begegnet er dem rothaarigen Mädchen Lise, die ihn nicht erkennen kann, da sie
blind ist. Ihretwegen schlüpft Jim in die Haut des Studenten Jakob, da er nicht will, dass sie von seiner Popularität abgestoßen wird. Doch als das Mädchen seine wahre Identität entdeckt, zieht sie sich enttäuscht zurück. Das Werk erweist sich als ungewöhnliche Graphic Novel, Christoffer Gravs einfallsreiche Illustrationen ergänzen die Kurzgeschichte. Weil der Plot mit bewährten Versatzstücken des Teenagerdramas operiert, bestand die Gefahr einer zu klischeehaften Ausrichtung. Doch man merkt der authentischen Atmosphäre an, dass sich Autor Arne Svingen als Songtexter im Milieu auskennt. Zudem passt sich die facettenreiche Grafik, die Farbe nur verhalten und prägnant einsetzt, mit unterschiedlichen Stilmitteln der jeweiligen Stimmung an. Ironische Details verhindern zudem einen zu melodramatischen Tonfall. Für alle Bestände empfehlenswert, auch ab 16 Jahren.
Gregor Ries
rezensiert für den Borromäusverein.
Mit eigenen Augen
Arne Svingen & Christoffer Grav
Sauerländer (2013)
[o. P.] : überw. Ill. (überw. farb.)
fest geb.