Unvergesslich, Sophie
Die beste Freundin der 11-jährigen Sophie ist ihre 77 Jahre ältere Namensvetterin und Nachbarin. Die beiden Sophies sind auf einer Wellenlänge, haben die gleichen Interessen und Vorlieben. Aber in letzter Zeit sorgt die Vergesslichkeit der älteren
Dame für Probleme im Alltag und das Mädchen macht sich Sorgen, wie es weitergehen soll. Sophies Sohn möchte seine Mutter an seinem weit entfernten Wohnort in einem Altersheim unterbringen, womit die 11-Jährige gar nicht einverstanden ist. Daher möchte das pfiffige Mädchen das Gedächtnis ihrer Freundin durch Tests überprüfen. Die demente Dame tut sich aber schwer mit den Fragen, die ihr Kurzzeitgedächtnis überprüfen sollen. Als das Mädchen dazu übergeht, ihre Freundin anhand der Stichworte Baum, Tisch und Buch aus ihrer Kindheit in Polen während des Zweiten Weltkrieges erzählen zu lassen, sprudeln die verschütteten Geschichten aus ihr heraus. – Die renommierte amerikanische Kinderbuchautorin Lois Lowry (*1937) hat ein Kinderbuch über eine Frau ihres eigenen Jahrgangs herausgebracht. Es ist eine schöne Schilderung, wie eine der inzwischen wenigen Überlebenden des Holocaust ihre Geschichte an die junge Generation weitergibt. Die schweren Themen Demenz und Holocaust deutet die Autorin nur vorsichtig an. Die 11-jährige Ich-Erzählerin ist gut im kreativen Schreiben und überlegt während des Erzählens den Aufbau und die Dramaturgie ihrer Geschichte ganz genau. – Ein zugleich witziges, tiefsinniges und anspruchsvolles Buch für gute Leser:innen ab 9 Jahren.
Maria Holgersson
rezensiert für den Borromäusverein.
Unvergesslich, Sophie
Lois Lowry ; aus dem amerikanischen Englisch von Anne Brauner
Fischer Sauerländer (2025)
157 Seiten
fest geb.
Borromäus-Altersempfehlung: ab 9