Gondelküsse und Zeitensprünge
Venedig im November gehört nicht zu Lucias bevorzugten Aufenthaltsorten. Aber sie befindet sich nach einem schweren Unfall in der Reha, irgendetwas in ihrem Gehirn hat sich verändert – sie nimmt Gefühle anderer als Farben war und kann bei einigen
Gedanken lesen – und ihr italienischer Vater hat sie eingeladen. Einen Jungen auf der Fähre findet sie süß, er sie offenbar nicht. Und so möchte sie so bald wie möglich nach Hause. Doch dann trifft sie Apollo, einen jungen Conte, direkt aus einem Gemälde des 18. Jh. entsprungen – wörtlich. Zunächst kann nur sie ihn sehen und hören, doch dann manifestiert er sich, und beide beginnen nach einer Möglichkeit für Apollos Rückkehr in sein Bild zu suchen. Doch dann taucht der süße Junge von der Fähre wieder auf, mit dem Lucia den Koffer vertauscht hatte, ein merkwürdiger Professor und ein bisschen Magie, die hier wenig überzeugt. Bemüht witzig, bemüht spannend, mit einem Blick in die Geschichte Venedigs und mit vorhersehbarem Ende kann dieser Roman schon jungen Leserinnen empfohlen werden, ohne literarische Ambitionen.
Lotte Schüler
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Gondelküsse und Zeitensprünge
Stefanie Gerstenberger
Fischer Sauerländer (2025)
365 Seiten
kt.