Von den Juden und Ihren Lügen
Die letzte Ausgabe dieser judenfeindlichen Schrift Martin Luthers erschien 1936 und fand bei den Nationalsozialisten große Aufmerksamkeit. Nun erarbeitete der evangelische Pfarrer und Kirchenhistoriker Morgenstern eine wissenschaftliche Neuausgabe.
Luther veröffentlichte dieses "Dokument der Schande" im Jahre 1543. Im ersten Teil geht es vor allem um eine theologische Auseinandersetzung mit dem Alten Testament, um die Beschneidung und die "bösartige Leugnung", dass Jesus der erwartete Messias sei. Es wird eine Reihe von Lügen der Juden angeführt, wie die, Jesus sei ein Hurenkind und Bastard, die Mutter Jesu eine Hure. Luther traut den Juden die immer wieder gemachten Vorwürfe der Brunnenvergiftung und des Kindermords als realistisch zu. Im letzten Abschnitt wird die Obrigkeit unverhohlen zur Zerstörung der Synagogen, Schulen und Wohnhäuser, zur Vertreibung der Juden oder zur Heranziehung zur Zwangsarbeit aufgefordert. Der Bearbeiter vermeidet jede Verharmlosung dieser Hetzschrift und nennt sie ein Dokument der Schande. Im Anhang werden wichtige Begriffe erklärt, auch andere Reformatoren kurz vorgestellt. Die Lektüre ist für viele Leser wohl eine Zumutung, aber für eine intensive und verantwortungsbewusste Auseinandersetzung mit dem Thema durchaus sinnvoll.
Hans Niedermayer
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Von den Juden und Ihren Lügen
Martin Luther. Neu bearb. und komm. von Matthias Morgenstern
Berlin University Pr. (2016)
328 S.
fest geb.