Wir sind für immer
Kara und Cam haben die Nacht miteinander verbracht. Sie fühlen sich zueinander hingezogen, sind aber beide wie auf der Flucht. Immer wieder verlieren sie sich in lustvollen Liebesspielen, bevor sie sich - überwältigt von irritierenden Gefühlen
und alten Verletzungen - wieder trennen. Der Einstieg in die Geschichte dieser zwei hin und her gerissenen jungen Menschen, die über ihre "Altlasten" nicht sprechen können und den anderen immer wieder ratlos zurücklassen, ist nicht ganz leicht. Zwischen den kurzen, ruhig erzählten Sequenzen aus Karas Leben und den langen Dialogen fühlt sich die Rezensentin in irritierende Szenen hineingezogen, an deren Rand die Geschichte vom Erwachsenwerden, vom Lösen und sich nicht aus familiären Bindungen lösen können spielt. Erzählt wird die Begegnung zweier Menschen, getrieben von Sehnsucht und Begierde, in ihrer Direktheit mitunter befremdlich und ohne Auflösung. Von einem 477 Seiten umfassenden Buch hätte die Rezensentin mehr erwartet. Allerdings gibt es ein Buch derselben Autorin, das die Vorgeschichte von Kara und Cam erzählt: "Du bist alles" könnte Licht ins Dunkel bringen, und es ist auch vorstellbar, dass die Geschichte der beiden weitergeht.
Christiane Raeder
rezensiert für den Borromäusverein.
Wir sind für immer
Isabelle Ronin ; aus dem Englischen von Christian Trautmann
mtb (2021)
477 Seiten
kt.