Frei
Sibylle, genannt Billie, und ihr Mann André stehen ein paar Monate nach der Wende vor den Scherben ihrer Existenz. Als Sängerin und Tontechniker, die ihr Geld mit „Ostrock“ verdient haben, interessiert sich nun niemand mehr für sie. Irgendwoher
muss das Geld für das Ehepaar und die beiden kleinen Söhne kommen. Deshalb ist Billie zu ihren Eltern gefahren, um sie um finanzielle Unterstützung zu bitten. Die Mutter ist Lehrerin, der Vater gerade dabei, sich selbständig zu machen. Bei jedem Besuch sieht sich Billie in ihre Kindheit zurückversetzt. Sie ist den Launen des Vaters ausgeliefert und empfindet sich als ungenügend in den Augen der Mutter. Dazu kommen Eheprobleme mit André. Seit der Geburt der beiden Kinder fühlt sie sich eingeengt und nicht mehr lebendig. Nur beim Sex mit anderen Männern spürt sie sich. Sie möchte mit André eine offene Beziehung führen. Doch ihr Mann hat dafür wenig Verständnis. – Höftmann Ciobotaru lässt in ihrem neuen Roman unterschiedliche Frauen und Lebensmodelle aufeinanderprallen. Realistisch schildert sie den Alltag von Mutter und Tochter, die sich anfangs unversöhnlich gegenüberstehen. Ein lesenswertes Buch, das viel Diskussionsstoff bietet.
Susanne Emschermann
rezensiert für den Borromäusverein.
Frei
Katharina Höftmann Ciobotaru
Ecco (2023)
189 Seiten
fest geb.