Only Margo
Margos Leben verändert sich drastisch, als sie mit 20 ungewollt schwanger wird. Ihre daraus resultierenden Entscheidungen, das Kind zu behalten und aus Geldnot einen OnlyFans-Account anzulegen, beeinflussen ihr gesamtes Leben. Die Charaktere einschließlich
der Protagonistin selbst sind dabei sehr eigenwillig und doch so detailliert gezeichnet, dass sie äußerst lebensnah wirken. Mit Margo hat die Autorin eine äußerst intelligente Hauptfigur erschaffen, die immer wieder über ihr eigenes Leben reflektiert und sich dabei mit Fragen wie Identität, der Rolle als Mutter und der Moralität von Sexarbeit beschäftigt. An mehreren Stellen durchbricht sie die Vierte Wand und spricht direkt zum Leser, meist um Spannung für kommende Erzählabschnitte zu erzeugen. Auch das Spiel mit Erzählperspektiven und der Wechsel zwischen der jungen Margo, die in der Ich-Perspektive erzählt, und einer älteren Version, die als auktorialer Erzähler auf die damaligen Ereignisse zurückblickt, geben dem Buch eine einzigartige Dynamik. Aufgrund der behandelten Themen und des Charakters der Protagonistin lässt sich das Buch eher für ein jüngeres Publikum empfehlen, bietet aber ein herausragendes Leseerlebnis, sofern man sich auf die Erzählung einlässt.
Agnes Schmidtner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Only Margo
Rufi Thorpe ; übersetzt aus dem amerikanischen Englisch von Heike Reissig
Ecco (2025)
349 Seiten
kt.