Gulistan
Der dritte Roman der 1987 in Kurdistan geborenen und auf Deutsch schreibenden Autorin Karosh Taha spielt in Kurdistan im Irak. Die Ich-Erzählerin Gulistan erzählt von einem Traum, in dem sie es nicht schafft, das Lieblingsfischgericht ihres Mannes
Ciya zuzubereiten. Ciya war nicht nach Hause gekommen. Zwei Männer waren in seinem Schneiderladen aufgetaucht und hatten ihn bedroht. Hatten die Männer Ciya in den Fluss geworfen – und jetzt kehrte er als Fisch zurück? – Das Ganze wird in Sätzen ohne Kommata erzählt, es wirkt wie mündliches Erzählen, ist sehr poetisch und zugleich surreal. Gulistan will eine Vermisstenanzeige aufgeben. Der Polizist zeigt sich unwillig, eine aufzunehmen. Es folgt ein Dialog zwischen ihnen, der parallel gesetzt ist: Links der Polizist, rechts Gulistans Aussage, was die Gleichzeitigkeit wie in einem Hörspiel darstellt. Und ebenso das Aneinander-Vorbeireden. – Als auch Gulistan in Husseins Foltergefängnis landet, verwischt sich, wer genau spricht. Die Intensität der Gewaltszenen ist schwer erträglich, auch wenn eine extreme Poetisierung den Fokus auf das „Gemachte“ des Textes lenkt. Wenige Leser:innen werden sich auf diese Ästhetisierung von Gewalt einlassen wollen. Der Roman steht auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis.
Karin Blank
rezensiert für den Borromäusverein.
Gulistan
Karosh Taha
DuMont (2026)
154 Seiten
fest geb.