Von Nahem betrachtet ist alles gar nicht so schlimm
Bryoni ist zwar häufig auf Dating-Apps unterwegs, aber eigentlich mit ihrem Single-Leben ziemlich zufrieden. Als sie den Entschluss fasst, die eher oberflächliche Affäre mit Ed zu beenden, empfindet sie das als Befreiung. Doch bevor sie wirklich
Schluss machen kann, erfährt sie, dass Ed ganz plötzlich gestorben ist. Da er seiner Familie von seiner großen Liebe zu ihr erzählt und sie daheim als seine künftige Ehefrau bezeichnet hat, bringt es Bryoni nicht übers Herz, die trauernden Angehörigen über dieses fatale Missverständnis aufzuklären und gerät schnell immer tiefer in das chaotische Beziehungsgeflecht der so liebenswerten wie exzentrischen Familie. – Mit sarkastischem und sehr britischem Humor, aber auch mit einigem Feingefühl erzählt die Autorin von den Schwierigkeiten ihrer an Hypochondrie und mangelndem Selbstbewusstsein leidenden Protagonistin, mit den immer absurderen Folgen ihres Lügengebäudes klarzukommen. Es braucht ein wenig, bis man sich in diese wendungsreiche und ziemlich skurrile Geschichte eingelesen hat. Doch der an interessanten Charakteren reiche Roman mit seinen gut geschriebenen Dialogen gewinnt zunehmend an Reiz und verdient eine Leseempfehlung.
Angelika Rockenbach
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Von Nahem betrachtet ist alles gar nicht so schlimm
Lauren Bravo ; Übersetzung aus dem Englischen von Babette Schröder
pola (2026)
508 Seiten
fest geb.