Ein weites Leben
Seit dem 19. Jh. züchtet die Familie MacBride in der sechsten Generation Schafe in den Weiten Westaustraliens. 1958 kommen bei einem tragischen Unfall Vater Phil und Sohn Warren ums Leben. Sohn Matt überlebt den Unfall schwerverletzt, verliert zeitweise
sein Gedächtnis und kämpft sich mit tatkräftiger Hilfe seiner Mutter Lorna ins Leben zurück. Während seines Heilungsprozesses zeugen seine Schwester Rosa und er in einem Alkoholexzess ein Kind: Andy. Bei dem Versuch Rosas, sich und dem Kind das Leben zu nehmen, überlebt das Baby. Das Geheimnis der Vaterschaft nimmt Rosa mit ins Grab, Matt hat an den Exzess lebenslang keine Erinnerung. Lorna, Matt und Andy bewältigen als Schicksalsgemeinschaft ihren Alltag, halten die Schaffarm am Laufen, sind weit geachtet bei allen Nachbarn. Ihnen gelingt es in den 1960er Jahren, mit den Unternehmen im Einklang zu leben, die auf den von ihnen genutzten Weideflächen nach Bodenschätzen suchen. Mehr noch: Matt verliebt sich in die Chefgeologin und Firmenerbin. Aber seine Versagensängste und die Furcht vor den leeren Stellen im Gedächtnis lassen ihn vor der schon anberaumten Eheschließung zurückschrecken. Bis Andy 30 Jahre alt ist, hält Matt sein Versprechen durch, auf ihn zu achten und die Ranch mit Lorna zu führen. Dann sind Andy und seine junge Familie reif genug, die Verantwortung für die Dynastie zu übernehmen. Jetzt fühlt sich Matt endlich frei, seinen eigenen Interessen zu folgen und seinem Traum vom Reisen auf den Meeren nachzugehen. – Dieser spannende Roman zeigt den Wechsel von agrarischer zu industrieller Wertschöpfung, zeichnet ein Familienpanorama, einen großen moralischen Konflikt und eine Liebesgeschichte in einer packenden, reflektierenden Sprache. Den Lesenden im 21. Jh. wird die Lebenssituation der Handelnden und ihre Angewiesenheit auf den Einklang ihres Lebens mit Natur und Tierwelt nachvollziehbar skizziert. – Gerne empfohlen.
Rolf Pitsch
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Ein weites Leben
M.L. Stedman ; Deutsch von Cornelius Hartz
blanvalet (2026)
524 Seiten
fest geb.