Halbierte Wirklichkeit
In der modernen Wissenschaft ist kein Platz mehr für Religionen und deren Weltbilder. Es scheint, dass der Glaube an einen Schöpfergott unvereinbar mit dem vernunftbegründeten Erkenntnisgewinn der Naturwissenschaften ist. Daraus resultiert laut
Hans-Dieter Mutschler, Professor für Natur- und Technikphilosophie an der Hochschule Ignatium in Krakau (Polen), eine gefährliche materialistische Engführung in den Wissenschaften, der sich in einem Totalerklärungsanspruch der Naturwissenschaften äußert. Dieser hat zur Folge, dass sich die Wissenschaft immer weiter von der Lebensrealität der Menschen entfernt. In nachvollziehbaren Schritten entlarvt der promovierte Philosoph den "ideologischen Missbrauch der Naturwissenschaften" (S. 9) und macht deutlich, dass sich christlicher Glaube und wissenschaftliches Denken nicht ausschließen müssen, sondern gemeinsam ein ganzheitliches Menschenbild zeichnen können. Dem Autor, der neben seiner geisteswissenschaftlichen Studien auch über Qualifikationen im Bereich Physik verfügt, gelingt es, das komplizierte Thema verständlich aufzuschlüsseln. So beginnt jedes Kapitel mit einer kurzen inhaltlichen Zusammenfassung, wodurch die teils abstrakten Gedankenschritte gut nachzuvollziehen sind. Das Buch bietet eine solide Orientierungshilfe für ein christliches Weltbild in der modernen Wissenschaft und ist daher sehr zu empfehlen.
Sebastian Heuft
rezensiert für den Borromäusverein.
Halbierte Wirklichkeit
Hans-Dieter Mutschler
Butzon & Bercker (2014)
340 S.
fest geb.