Der einarmige Bandit
Bei den Sommerparalympics in Peking 2008 ließ Wolfgang Sacher aufhorchen. Sowohl im Bahnradsport als auch im Straßenrennen erkämpfte er sich Medaillen. Wenn man ihn sieht, wie er seine Rennräder beherrscht, obwohl er nur einen Arm hat, dann kann
man kaum umhin, ihn zu bewundern. Werner Müller-Schell, ein Journalist und aktiver Radsportler, hat die Biografie des "einarmigen Banditen" aufgeschrieben. Als Sechzehnjähriger kommt er an eine Strom führende Oberleitung. Er überlebt, verliert aber den linken Arm und die Zehen des rechten Fußes. Als Leser leidet man mit, wenn er die Schmerzen schildert, die ihn bei der Genesung begleiten und vor allem, welche psychischen Probleme er hat, mit seiner Behinderung klarzukommen. Er schafft es aber doch, mit seiner Behinderung umzugehen. Auch der berufliche Weg geht aufwärts, auch wenn die zeitweise Flucht in den Alkohol, um den Kummer zu ertränken, Hindernisse mit sich bringt. Einen besonderen Sinn bekommt sein Leben, als er seine Sabine kennenlernt. Die Vorgabe, dass er 25 kg abnehmen müsse, bevor sie ihn heiratet, brachte ihn auch körperlich vorwärts. Beim Radfahren, das er auf ärztlichen Rat anfängt, stellt er zum einen fest, dass es sich positiv auf seine Lebensgestaltung auswirkt, aber auch, dass er zu besonderen Leistungen fähig ist, wenn er gut trainiert. Wenn man die lange Liste seiner nationalen und internationalen Erfolge liest, kann man nur noch staunen. Tolle Fotos ergänzen das einfühlsam, aber durchaus unterhaltsam geschriebene Buch. Sehr zu empfehlen.
Gerd Fleder
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Der einarmige Bandit
Wolfgang Sacher. Aufgezeichn. von Werner Müller-Schell
Delius Klasing (2011)
299, [16] S. : Ill. (überw. farb.)
fest geb.