Ardalén
Sabela, eine junge Journalistin, fährt in ein kleines spanisches Bergdorf. Sie hofft, dass sich dort jemand an ihren Großvater erinnert, der im Dorf aufgewachsen, später aber als Matrose über die Weltmeere gesegelt ist. Und wirklich scheint es
einen alten Mann zu geben, der den Großvater kannte, doch ist fraglich, ob Sabela den Erinnerungen des alten dementen Mannes Glauben schenken kann. Diese groß angelegte Graphic Novel hat etwas von einer lebensumspannenden Reise an sich: die junge Frau erhofft sich Fakten, der alte Mann jedoch, dessen Lebensspuren der Leser verfolgt, verstrickt sich in verschiedene Lebensläufe, bis er vergisst, was wirklich stattgefunden hat, was ihm gerüchteweise erzählt wurde und was er sich erwünschte. Die Erinnerungen scheinen ein Meer zu sein, dessen Bewohner versinken, auftauchen, um in die Wirklichkeit einzugreifen, und wieder verschwinden. So wird in den Zeichnungen sehr plausibel dargestellt, wie der Alte Fiktion und Realität kaum noch unterscheiden kann und er sich selbst vergisst. Man braucht beim Lesen mancher Passagen einen langen Atem, doch ist der Versuch, über autobiografisches Erzählen zu reflektieren, in Text und Bild bestens gelungen, weil es so nachvollziehbar geschieht.
Dominique Moldehn
rezensiert für den Borromäusverein.
Ardalén
Miguelanxo Prado
Egmont (2013)
Ehapa Comic Collection
256 S. : überw. Ill. (farb.)
fest geb.