Das Schweigen unserer Freunde
Die 1960er Jahre sind in Amerika geprägt von gegenseitiger Diskriminierung zwischen Afroamerikanern und Weißen. Die zunächst friedliche Black Power Bewegung wird zunehmend aggressiver und weiße Polizisten schrecken nicht vor brutalen Übergriffen
auf schwarze Demonstranten zurück. Als dabei ein Polizist durch einen Querschläger seines Kollegen getötet wird, beobachtet ein weißer TV-Journalist die Szene. Dieser Totschlag soll allerdings schwarzen Studenten in die Schuhe geschoben werden. Der Journalist versucht, den wahren Tathergang zu veröffentlichen und trifft damit auf heftigen Widerstand. In der Gerichtsverhandlung fällt ihm sein Freund, ein schwarzer Bürgerrechtler, in den Rücken. Trotzdem wird vom Gericht das brutale Vorgehen der Polizisten verurteilt und die fünf angeklagten schwarzen Studenten kommen frei. Diese sehr persönliche Ebene der Geschichte zeigt, wie tief die Gräben zwischen den Rassen verliefen und wie sie von beiden Seiten vertieft wurden. Der Comic vermittelt aber auch die Botschaft, dass Mord und Todschlag keine Lösung im Kampf um ein friedliches Zusammenleben sein können und dass ein Schweigemarsch lauter sein kann als lautstarke Proteste. Der Comic ist ein Rückblick auf die Geschichte von Apartheid und Rassenhass, die noch längst nicht überwunden sind. Er nutzt dazu starke, emotional berührende Bilder, die mit ihrem schwarzen Strich an den Meister des politischen Comics, Willi Eisner, erinnern. Empfehlenswert.
Lotte Schüler
rezensiert für den Borromäusverein.
Das Schweigen unserer Freunde
Text von Mark Long und Jim Demonakos. Ill. von Nate Powell
Egmont (2013)
Graphic novel
213 S. : überw. Ill.
kt.