Neo Rauch
Wie kaum ein zweiter Maler seiner Generation feiert Neo Rauch große nationale und internationale Erfolge. Seine surreal anmutenden Traumszenen sind beherrscht von pathetischen Figurengruppen, oft inmitten von düsteren Brach- oder Industrielandschaften.
Es sind angejahrte, abgenutzte Apparate, an denen sich die Werktätigen abarbeiten - so wie man es von der Propaganda-Ikonografie der DDR kennt, die bei Rauch aber verfremdet erscheint, entpolitisiert, aber aufgeladen mit deutscher Geschichte. Die Beiträge des Katalogs (darunter ein ausführliches Gespräch mit dem Künstler) kreisen alle um die vermeintliche Rätselhaftigkeit seiner Bilder: So wird den geschichtsträchtigen Inszenierungen der Werke nachgespürt, der Beziehung zum Surrealismus und zur Psychoanalyse, der Rezeption von Rauchs Arbeiten im Ausland. Interessant ist der Aufsatz zur Nutzung von Comic-Motiven, weil hier akribisch der Bilderschatz auf seine Verwertbarkeit überprüft wird. Dieser Katalog liefert eine Fülle plausibler Interpretationsmodelle zum Werk dieses erfolgreichen Malers, das jedoch auch auf viel kritische Resonanz stößt. An zeitgenössischer Kunst interessierten Leser/innen und großen Beständen empfohlen.
Dominique Moldehn
rezensiert für den Borromäusverein.
Neo Rauch
hrsg. von der Stiftung Frieder Burda ... Mit Texten von Eduard Beaucamp ...
Hatje Cantz (2011)
184 S. : überw. Ill. (überw. farb.)
fest geb.