Zuhause im Niemandsland
Seit zwölf Jahren ist der Autor Mönch im Dormitiokloster, das mitten in Jerusalem durch eine eigenartige politische Konstruktion weder zu Israel noch zum künftigen Staat Palästina gehört. Bei der Beantwortung der Fragen von Besuchergruppen - darum
geht es in diesem Buch - setzt er gegen die mediale Schwarz-Weiß-Malerei seine persönlichen Erfahrungen, die sowohl Toleranz und Freundschaften beinhalten wie Feindseligkeiten, Angriffe und Anschläge. Zu den Kapiteln über sein Verhältnis zu Jerusalem und Tel Aviv, über die Geschichte des Klosters und seine persönliche Lebensentscheidung kommen Berichte über Christen, Juden und Muslime, über religiöse Hooligans und die Lage in Gaza. Der ungewöhnlich differenzierende, empfehlenswerte Blick eines unmittelbar Betroffenen lässt jenseits der politischen Konfrontationen die Vielschichtigkeit dieser Region erkennen, ohne allerdings zu große Hoffnungen für die Zukunft zu wecken. In jedem Fall sehr lesenswert.
Helmut Eggl
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Zuhause im Niemandsland
Nikodemus Schnabel
Herbig (2015)
175 S. : Ill., Kt.
fest geb.