Als der Tod zu uns kam
Als die Geschichte dieses ungewöhnlichen Bilderbuchs beginnt, das aus der Sicht eines kleinen Mädchens geschildert wird, kennen die Menschen in ihrer Umgebung keinen Tod. Der kommt eines Tages als gebrechlicher alter Mann in das Dorf, in dem bisher
ein sorgenloses Leben völlig selbstverständlich war. Zunächst lachen die Menschen noch über die Tollpatschigkeit des merkwürdigen Alten, ahmen sein ständiges Stolpern nach und wundern sich sehr, dass sie sich bei diesem kindlichen Spiel zum ersten Mal in ihrem Leben verletzen. In der Nacht brennt ein Haus, weil der Tod auf seinem Nachtlager geraucht hat. Am Morgen ist der Bruder des Mädchens tot und nichts ist mehr so, wie es war. Als der Tod dieses Elend sieht, trauert er mit den Menschen über das Unglück, das er ihnen gebracht hat und steht ihnen bis zur Beerdigung bei. Dann verlässt er das Dorf und die Menschen winken ihm nach. Sie haben verstanden, wie unvermeidlich das Sterben ist. Es bringt Leid und Trauer. Doch der Tod hat den Menschen auch das Mitleid und den Trost hinterlassen. Erst jetzt haben sie verstanden, dass sie in einer Gemeinschaft leben und füreinander verantwortlich sind. - Der Tod ist ein selbstverständlicher Teil des Daseins und verleiht jedem Leben eine ganz besondere Bedeutung. Was Jörg Schubiger in seinem erstaunlichen, zutiefst anrührenden und nie sentimentalen Text erzählt, bebildert die bekannte Künstlerin R.S. Berner mit eindrucksvollen Illustrationen. Sie macht anschaulich, wie mit dem Tod bei den Menschen ein Bewusstsein für die Bedrohung des Lebens entstanden ist, aber auch tiefe menschliche Beziehungen und ein Gefühl für den Ablauf der Zeit. Jenseits ihrer heiteren Wimmelbilder findet Berner eine symbolhafte, nie überfrachtete Bildersprache, die gemeinsam mit dem behutsam formulierten Text einen ungewöhnlichen Zugang zu einem Thema eröffnet, über das alle Eltern irgendwann mit ihren Kindern reden müssen.
Angelika Rockenbach
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Als der Tod zu uns kam
Jürg Schubiger ; Rotraut Susanne Berner
Hammer (2011)
[16] Bl. : überw. Ill. (farb.)
fest geb.
Borromäus-Altersempfehlung: ab 5