achtunddreißig wachteln kommen zum übernachteln

Einer der begabtesten Lyriker hierzulande bringt einen Sammelband mit seinen schönsten Gedichten der letzten Jahre inklusive neuer Verse heraus. Der Titel lässt erahnen, dass Arne Rautenberg sich zwar nicht an die Regeln der Orthografie gebunden achtunddreißig wachteln kommen zum übernachteln fühlt, dafür aber umso freier auf seiner Sprachspielwiese sprachspielen kann. Seine Gedichte strotzen nur so vor Kreativität, Originalität und Spaß am Buchstabenbasteln. Er dichtet vom "muthase[n]" (S. 8), „mondschwein“ (S. 34) und „morstbollen“ (S. 56), vom wackelnden Wackeldackelbauch im „wackelpuddingland“ (S. 71), vom „wuuhuu“ (S. 67) und der „extravaganztanz“ (S.101) tanzenden Tarantel. Anschließend an Heinrich Deterings Nachwort spricht Rautenberg in seinem Epilog von seiner Herzensangelegenheit, „zu zeigen, dass Sprache zu mehr taugt als Systeme des Informationsaustausches, der Vergleich- und Bewertbarkeit zu bedienen.“ (S. 125) So bietet der Sprachzauberer dem Publikum denn auch ein sprachliches Feuerwerk und legt die ganze Palette seines Könnens offen: Seine Verse kommen mal visuell poetisch daher, wenn er sie bildlich wie einen Vogelzug arrangiert. Die lautmalerischen Gedichte entfalten ihre Wirkung besonders beim lauten Vorlesen, wenn er vom „geeediiicht deeer schneeeckeee“ (S. 84) oder dem „gebet auf der arche noah“ (S. 43) schreibt, das vor Oink- und Tschilp-Lauten wimmelt. Auch Neologismen machen großen Spaß, wie sie im Gedicht „owo die unzen kronkeln“ (S. 56) vorkommen. Stets erweist sich Rautenberg als genauer Beobachter der Welt, der in kleinsten Dingen die Poesie entdeckt. Die renommierte Illustratorin Rotraut Susanne Berner bevölkert das Buch mit allerlei drolligen Wachteln, die in den ulkigsten Gewändern passend zu den Versen durchs Buch spazieren. Rautenberg legt eine buchgewordene Liebeserklärung an die Lyrik vor. Er trägt als Nachfolger von Klassikern wie Morgenstern und Jandl die Lyra mit seinen Lesungen auch an viele Kinder weiter. – Für alle, die sich von seiner Lyrik-Kunst verzaubern lassen wollen!

Melanie Schubert

Melanie Schubert

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

achtunddreißig wachteln kommen zum übernachteln

achtunddreißig wachteln kommen zum übernachteln

Arne Rautenberg ; mit Bildern von Rotraut Susanna Berner
Peter Hammer Verlag (2026)

129 Seiten : zahlreiche Illustrationen (farbig)
fest geb.

MedienNr.: 624521
ISBN 978-3-7795-0795-6
9783779507956
ca. 20,00 € Preis ohne Gewähr

Borromäus-Altersempfehlung: ab 5
Systematik: KE
Diesen Titel bei der ekz kaufen.