Die seltenste Frucht
La Réunion im Indischen Ozean 1829: Als Säugling wird der farbige Edmond Albius vom verwitweten Großgrundbesitzer Ferréol Beaumont an Kindes statt aufgenommen und großgezogen. Schon als kleiner Junge geht der wissbegierige und intelligente Edmond,
der nie richtig Lesen und Schreiben lernen wird, bei seinem Ziehvater, einem begeisterten Hobbybotaniker, in die Lehre und besitzt als Zwölfjähriger schon quasi wissenschaftliche Kenntnisse in der Botanik. Und was Beaumont nicht schafft, gelingt dem Knaben: die künstliche Befruchtung der Vanillepflanze, die es erst ermöglicht, dass sie Früchte tragen kann, womit die Produktion der Vanilleschote auf La Réunion, das damals noch Ile de Bourbon hieß, zum größten wirtschaftlichen Exportschlager der Insel wird. Doch der Junge hat als Erwachsener kein Glück im Leben: Er wird des Diebstahls bezichtigt und zu 10 Jahren Zuchthaus verurteilt, wegen seines Beitrages zum Wohlstand von La Réunion nach fünf Jahren begnadigt. Edmond stirbt mit knapp 50 Jahren in Armut. – In ihrem Roman zeichnet Gaelle Bélem, selbst auf La Réunion geboren, das Leben Edmonds nach und schildert gleichzeitig das harte Leben der farbigen Sklaven auf der Insel in der ersten Hälfte des 19. Jh. Ein wundervoller Roman, der nicht nur von der außergewöhnlichen Geschichte des Protagonisten lebt, sondern auch wegen des überaus poetischen, bildreichen Stils der Autorin, die fesselnd und mit einem Schuss Humor zu scheiben vermag und das einzigartige Lokalkolorit der Tropen und ihrer Schönheit unübertrefflich nachzuvollziehen weiß. – Allen Beständen sehr zu empfehlen.
Günter Bielemeier
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Die seltenste Frucht
Gaëlle Bélem ; aus dem Französischen von Gudrun Honke
Peter Hammer Verlag (2026)
221 Seiten
fest geb.