Frau Schick räumt auf
Solchen Menschen begegnet man immer, wenn sich zufällig zusammengeführte Gruppen zu einer Unternehmung aufmachen: den ewig Nörgelnden, den Schüchternen, dem Mann mit undurchsichtiger Vergangenheit und den Dominanten. Letztere ist jene Frau Schick,
die einer ostpreußischen Adelsfamilie entstammt und das Versprechen ihrer toten Freundin und Ziehschwester erfüllt - pilgern auf dem Jakobsweg. Das Verdienst der Autorin besteht darin, diese Menschen humorvoll darzustellen. Dabei karikiert sie deren Stärken und Schwächen auf besonders liebenswerte Weise. Und sie lässt ihre Figuren während des Pilgerweges zu ihrer persönlichen Erleuchtung gelangen. Das geschieht immer dann, wenn die Protagonisten sich dem Rhythmus der Wanderung hingeben und unnötigen Ballast abwerfen. Damit zeigt sie auch dem Leser / Hörer einen möglichen Weg zur eigenen Seele vorzudringen. Frau Schicks dominante Art, das Schicksal anderer in die Hand zu nehmen, führt häufig zu anfänglichen Problemen. Und das Zitat aus der Bibel "richtet nicht, auf dass ihr nicht gerichtet werdet" muss sie für ihr eigenes Leben umsetzen. Dann siegt am Ende das persönliche und versöhnliche Glück jedes einzelnen. Das ist etwas zu optimistisch konstruiert, um realistisch zu sein, wird aber auch ein Lächeln auf die Gesichter der Zuhörer zaubern. Als heitere Unterhaltung ohne übermäßigen Anspruch überall zu empfehlen.
Lotte Schüler
rezensiert für den Borromäusverein.
Frau Schick räumt auf
Ellen Jacobi. Gelesen von Irina Scholz
Lübbe Audio (2012)
6 CD (ca. 397 Min.)
CD