Sinn-Fragen
Unsere Leistungsgesellschaft verführt dazu, nicht mehr über das letzte Ziel ihres Handelns und Strebens nachzudenken. Die Folge sind Sinnkrisen, verbunden mit einem Gottesverlust, der dem ganzen Leben den Stempel der Sinnlosigkeit aufdrückt. Zaborowskis
Buch setzt allerdings nicht an dieser letzten Demütigung des Gottesverlustes an, sondern greift zuerst die Alltäglichkeiten menschlicher Existenz auf und steuert dann in einer Tiefenbohrung des Fragens und der Selbstbesinnung auf den äußersten und umfassendsten Horizont, den Sinn als Thema von Theologie und Glaube zu. Es ist also ein Denkweg, den der Autor behutsam mit seinen Lesern beschreiten möchte. Dieser beginnt mit der Reflexion über die eigene Leiblichkeit, die zwischenmenschliche Nähe, vor allem die Liebe, oder auch das Eingebundensein in eine zu respektierende Natur. Auch Arbeit, Spiel und die heute oft verdrängte und verkannte Muße gehören zu diesen Existenzialien, die nach ihrem immanenten Sinngehalt befragt werden. Erst in einem letzten Schritt folgt der Überstieg ins Offene menschlicher Transzendenz: Die Innenerfahrung spiritueller Sehnsucht wie auch allgemein menschlicher Hoffnungen, der Heiligkeit des Mitmenschen in seiner absoluten Würde und schließlich Gottes selbst, der die Grenzen menschlicher Vernunft übersteigt, treten in ihrer das Menschsein konstituierenden Rolle in den Blick.
Richard Niedermeier
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Sinn-Fragen
Holger Zaborowski
Matthias Grünewald Verlag (2024)
173 Seiten
fest geb.