Leo und das ganze Glück
Mei und Leo wohnen zu beiden Seiten der Straße, beide sind gleich alt. Aber während Mei liebevolle Eltern hat, wächst Leo in einer zerrütteten Familie auf, mit einer schwachen Mutter und einem auf unklare Weise verstörten Vater, von dem stets
eine diffuse Bedrohung auszugehen scheint. Leo ist durch ein missgestaltetes Bein gehandicapt. Beide Kinder fühlen sich in inniger Zuneigung verbunden, lernen voneinander, bauen gemeinsam ein verborgenes Baumhaus, das zu ihrem geheimen Refugium wird und schwören, immer füreinander da zu sein. Zwei Vorkommnisse bedrohen ihre Freundschaft: Eines Tages entdeckt Leos Vater das Versteck und will Leo auf rabiate Weise heimholen. Mei flüchtet in panischer Angst, während Leo sich in einem Akt verzweifelter Selbstbehauptung durch einen Sprung in die Tiefe retten will, wobei er sich schwer verletzt. Nach seiner Genesung verschwindet sein Vater (unklar bleibt wohin) und für beide Kinder folgt wiederum eine Phase inniger Zweisamkeit. Nach den Ferien jedoch ist Leo verschwunden, angeblich umgezogen, während sein Vater (unklar bleibt wieso) wieder zurück ist. - Einklang und Kontrast sind die vielleicht etwas überstrapazierten Strukturprinzipien in dem Erstlingsroman der jungen norwegischen Autorin, die bisher nur durch Lyrik bekannt geworden ist. Die in vielen Punkten bewusst vage gehaltene Geschichte einer ungewöhnlich intensiven Kinderliebe wird durchweg aus der Perspektive des Mädchens auf sehr poetische, und feinfühlige Weise erzählt. Im gesamten Duktus des Erzählens, in vielen kühnen Metaphern oder auch in der Weise, wie Gefühle in Bilder aufgelöst werden, spürt man die Lyrikerin: "Das Weinen knirscht in mir, ich spucke es aus." (S. 184). Für ambitionierte junge Leser/innen eine möglicherweise lohnenswerte, aber keineswegs leicht zu lesende Lektüre. (Übers.: Maike Dörries)
Leo und das ganze Glück
Synne Lea
Oetinger (2013)
191 S. : Ill.
fest geb.
Borromäus-Altersempfehlung: ab 10